Hessen in Space – Lich+Biebertal in Space

Eröffnung der Tagung “Hessen in Space” in Offenbach

Es wurde für unsere Redakteure Eveline Renell und Winfried Senger ein besonderes Erlebnis, obwohl die Voraussetzung dafür gar nicht gut war: Es war der erste Tag ihres Kurzurlaubes an Nord- und Ostsee geplant, und dann kam noch diese Einladung aus der Staatskanzlei in Wiesbaden für den Abfahrtstag. Aber wenn der Ministerpräsident kommt, wenn die Astronauten Reiter und Maurer anwesend sein sollten, samt der gesamten Presse von ARD, ZDF und HR, dann können auch die Redakteure des Biebertaler-Bilderbogens nicht einfach absagen.

Die aus meiner Sicht eigentlichen prominenten Anwesenden waren Schüler der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich mit ihrem Lehrer Bernhard Krenig.

Die Schüler mit ihrem Lehrer und Winfried Senger (rechts)
Die Schüler/innen erklären das Satelliten-Modell dem HR-Reporter

Die Beteiligten der Arbeitsgruppe wollen einen Mini-Satelliten ins All schicken, ähnlich hoch wie die ISS, also etwa 500 km hoch. Der Satellit ist als Bausatz aus den USA bestellt worden und wurde bereits geliefert. Die Finanzierung war am Anfang das große Problem, aber es ist geschafft! Alles ist bezahlt, auch der kommende Start, wenn der Satellit fertig zusammengebaut ist. Die Zertifizierung durch die NASA ist ebenfalls schon erfolgt.

Es gab aber noch mehre Überraschungen für unsere Biebertaler Redakteure.
Zwei Institute der Universität Gießen waren ebenfalls vertreten. Ich war immerhin 40 Jahre in den Instituten verantwortlich tätig.

Wodurch Biebertal in diesem Zusammenhang eine Bedeutung bekommt:

Für die technische Beratung des Zusammenbaus des Satellitenbausatzes und die weitere Bestückung sowie für die Funk-Verbindung zur Erde und des dargestellten Modells bin ich ebenfalls in der Schule dabei. Und ich kann die Faszination der Schüler nur bewundern, egal, ob sie aus der Klasse 5 oder der Klasse 10 kommen, oder ob Mädchen oder Jungen, sie sind alle voll dabei.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als der erste Satellit überhaupt, der Sputnik1, am 4. Oktober 1956 ins All geschossen wurde. Ich war damals 12 Jahre alt und in der Klasse 5.


Warum Satelliten wichtig sein sollten, konnte ich damals nicht erkennen.

Modell des ersten Satelliten Sputnik-1 (Foto wikipedia)

Später in meinem Leben hatte ich die Gelegenheit mit einem Rodheimer Chor nach Kaluga in Russland zu fahren. Dort war im Raumfahrt-Museum ein zweiter Sputnik1 ausgestellt. Auch ein Blick ins Innere war möglich: Es fielen nur Rohre unterschiedlicher Dicke auf, die Elektronik war nur sehr gering vertreten. Der Sputnik sendete auch nur ein einziges Signal. das Sie unten hören können.
Welche Signale der Minisatellit der Schüler senden wird, ist noch nicht definiert, lediglich die Frequenz, die im 70cm-Amateurfunkband festgelegt ist (ca. 433 MHz) und hoffentlich das Ausbildungs-Rufzeichen DN5FCG des Fellingshäuser Funkamateurs Winfried Senger sendet.
Die Sendeleistung wird 1,5W sein

Youtube

Der Sputnik1 sendete damals auf 20 und 40 MHz mit 1 Watt Leistung, eine Frequenz, die damals noch mit Röhren erzeugt wurde. (Details)
Der Durchmesser des Sputnik betrug 58 cm, der Durchmesser des Schüler-Satelliten beträgt 10 cm.
Der Sputnik kreiste 92 Tage um die Erde, bevor er verglühte.
Der Mini-Satellit der Schüler wird wahrscheinlich eine ähnliche Lebensdauer haben, hoffentlich länger.

Der weitere Verlauf des Projektes der Schüler der Dietrich-Bonhoeffer-Schule kann auf satelliten-experimente.de verfolgt werden.


Fotos: Winfried Senger, wikipedia, youtube


Was ist ChatGPT?

KI künstliche Intelligenz mit all seinen vielen Anwendungsmöglichkeiten nimmt eine immer größere Rolle in der Arbeitswelt wie auch im privaten Leben ein – bietet viele Annehmlichkeiten und Vorteile, aber auch Gefahren.
Insbesondere der revolutionäre neue Chatbot ChatGPT bekam in den vergangenen Monaten – seit die neue Version GPT-4 Mitte März 2023 veröffentlicht wurde – in der Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit. Denn die aktuelle Version kann deutlich längere Texte verarbeiten und kreieren als ihre Vorgänger.
Dennoch, um die Dimensionen zu verdeutlichen, hatte das US-amerikanischen Unternehmen >OpenAI< 2022 bereits 5 Tage nach der Veröffentlichung der GPT-1-Version 1 Million Nutzer; im Januar 2023 waren es bereits 100 Millionen.
Zum Vergleich: Das bereits im Jahr 2012 erschienene, zu Facebook gehörende soziale Netzwerk Instergram, das vor allem zum Ansehen und Verbreiten von (bewegten) Bildern verwendet wird, brauchte 2 1/2 Jahre; die App TikTok aus dem Jahr 2018, zum Ansehen und Verbreiten von Video-Clips, brauchte 9 Monate, bis es 100 Millionen Nutzer hatte.

ChatGPT ist ein Chatbot, also ein Roboter mit dem man sich unterhalten (engl. chatten) kann.
GPT ist die Abkürzung für „Generative Pre-trained Transformer“.
Das Besondere ist hier, dass es sich nicht um ein Computer-Programm handelt, sondern um ein neuronales Netzwerk, das selbst lernfähig ist; d.h. ChatGPT wurde nicht von Menschen programmiert. Die Maschine lernt anhand von Beispielen (machine learning), um menschliche Sprache zu verstehen und so eine der menschlichen Sprache ähnelnde Antwort zu erzeugen. Dazu werden im System über 200 Milliarden Parameter und Algorithmen aus verschiedenen Netzwerken mit sehr großen Datenmengen verwendet.
ChatGPT-4 basiert auf seinem Vorgänger, dem GPT-3-Sprachmodells von OpenAI, das Milliarden von Sätzen aus sehr vielen Texten aus dem World Wide Web als Input erhielt. Letztlich wurde nichts weiter gelernt, als Zusammenhänge zwischen Wörtern zu erkennen und Wörter so hintereinander zu setzten, dass sie sich wie menschlich produzierte Sätze lesen.
Die neue Version wurde zusätzlich durch menschlichen KI-Trainer, die sich mit dem Roboter unterhielten, trainiert.
Auf diese Weise wurde der maschinelle Output in Sprachstil und Textlänge weiter verbessert, so dass die Ergebnisse nun noch menschlicher erscheinen. Stilistisch kann nun an Inhalten gefeilt werden (z.B. „schreib es etwas lustiger“ oder „vermeide Fremdwörter“). Dabei kann die neuste Version auch Bilder erkennen oder Audio als Inputquelle verwerten. Auch Bugs, also Fehler, in Computerprogrammen kann das System mittlerweile finden, indem mit ChatGPT die Codes nahezu aller Programmiersprachen analysiert werden können. Auch beim Schreiben von Computercodes könnte ChatGPT helfen.

ChatGPT kann zwar z.B. innerhalb von kürzester Zeit ein Referat zu einem Thema erstellen, eine wissenschaftliche Arbeit verfassen, komplizierte Matheaufgaben lösen, Witze erzählen oder Gedichte schreiben. Es kann aber nicht „wahr“ von „unwahr“ (fake) unterscheiden. Es sollte also nicht als Ratgeber verwendet werden.
Die generierten Texte sind zwar in sich logisch, aber nicht unbedingt richtig oder gar inhaltlich verlässlich.
Auch produziert ChatGPT, gibt man die gleiche Anweisung mehrmals, keineswegs jedes Mal den gleichen Text, sondern jedes Mal einen neuen Text. Der Wahrheitsgehalt der von ChatGPT geschriebenen Texte ist Glückssache!
Denn ChatGPT kann nicht im Internet surfen und die Frage nach dem aktuellem Wetter in Paris oder nach aktuellen Wissensstand beantworten. So ist sehr bedeutsam, dass ChatGPT mit menschlichen Texten aus dem Internet trainiert wurde und auf dieser Grundlage zu den meisten Themen Antworten gibt. Sprache jedoch enthält nun einmal alles Mögliche, einschließlich die damit verbundenen offen oder verdeckten Meinungsbilder, Vorurteile, hoffnungslos veraltete Wissensstände und Fakten.

Beim Thema Chatbot und Verantwortung geht es dann ganz praktisch darum, dass die Technik nicht zur Verbreitung von rassistischen, sexistischen oder anderen Vorurteilen, Fake-News, Hass-Sprache, Spam-Mails oder anderen toxischen Inhalten auf unterschiedlichsten Plattformen und Formaten eingesetzt wird. Das kann aber leichter geschehen als man denken mag, lernen doch die mit Sprache trainierten Netzwerke, was man ihnen letztlich der Mensch als Input vorgibt.
Ein Beispiel aus dem US-amerikanischen Gesundheitswesen zeigte solche Verzerrungen (um nicht zu sagen Vorurteile). Wie eine viel beachtete, im Fachblatt Science 2019 publizierte Arbeit nachweisen konnte, wirkte sich die über Jahre hinweg verwendet KI, um Entscheidungen zu treffen, ob ein Patient stationär aufgenommen wird oder nicht, zum Nachteil der Versorgung schwarzer Patienten aus. Denn die KI war mit Daten zu den Gesundheitskosten als Indikator für den Gesundheitsbedarf trainiert worden. People of color geben jedoch, trotz ihres tatsächlichen Bedarfs in der Regel weniger Geld aus als weiße Patienten. So lernte das System, den Grad der Aufmerksamkeit, die ein Patient braucht, bei schwarzen Patienen systematisch zu unterschätzen. Am Ende, bei gleichem Risiko, hatten farbige Menschen eine 50 % geringere Wahrscheinlichkeit ins Krankenhaus eingewiesen zu werden. Sie wurden systematisch als gesünder eingeschätzt als gleich kranken weiße Patienten. Das hat natürlich Konsequenzen; es geht um Leben oder Tod.

Es gehört zur Natur neuronaler Netzwerke, dass sie nicht wissen, warum sie etwas wissen.
Wenn im System über 200 Milliarden Parameter verwendet, heißt das im Klartext, dass es ein Netzwerk mit 200 Milliarden Synapsen (Verbindungsstellen) ist, deren 200 Milliarden einzelne Stärken eben zu genau dem Input-Output-Mapping führen, das es leistet. Man stelle sich einen Vektor mit 200 Milliarden Zeilen vor, also all diese Zahlen untereinander geschrieben mit einer Klammer darum herum. Verstehen kann man hier nicht – egal. was man mit Verstehen auch immer meinen könnte. Aber nicht nur, dass Wahrheit und Falschheit da unterschiedslos nebeneinander gestellt sind, so wie wir es von Internetrecherchen kennen, ChatGPT gibt sogar wissenschaftlich Quellen an, die frei erfunden sind.
Einerseits ist diese halluzinieren des Netzwerkes eine Bedrohung wissenschaftlicher Standards, denen wir vertrauen entgegenbringen, da davon auszugehen ist, dass die Wissenschaftler sich um Zuverlässigkeit und Wahrheit bemühen;
andererseits hat diese frei Kombination von Inhalten auch schon neue Eiweißkörper gefunden, die tatsächlich funktionieren und so der Proteinforschung völlig neue Erkenntniswege erschlossen.
Experten können aus Halluzinationen, also Inhalten denen (noch) keine Realität entspricht, innovativ nutzen, einfache Nutzer können das in der Regel nicht.
Wenn es in einem Text also wirklich um etwas geht, z.B. um die Einhaltung von Regeln der Statistik, um Physik, Material und Recht in einem Bauantrag, die Diagnose und Therapie in einem Arztbrief, Lehrbücher für Geschichte oder Chemie, einen Zeitungsartikel über das neueste Tagesgeschehen oder irgendeinen wissenschaftlichen Fachartikel, dann geht es um Vertrauen. Denn kein Mensch kann alles nachprüfen, bevor er handelt.
Wenn wir also z.B. ein Medikament einnehmen oder ein Flugzeug besteigen, dann glauben wir daran, dass sämtliche Bestimmungen der nationalen und internationalen Behörden erstens der Wahrheit entsprechen und zweitens auch erfüllt bzw. eingehalten werden. Man kann zwar alles anzweifeln, aber nicht alles auf einmal.

Jeder kann sich jedweden Text, dessen Inhalt er einigermaßen charakterisieren kann, mit Hilfe von ChatGPT schreiben lassen – ohne dass es auffällt. z.B. “Schreibe eine Bewerbung mit folgenden Daten; einen Leserbrief mit folgendem Inhalt, einen Zeitungsartikel über … mit 200 Wörtern, eine Arbeit zu … mit 5000 Wörtern zur Zusammenfassung von …)
Allerdings: welche langfristigen Folgen wird es haben, wenn man nichts mehr selber schreiben braucht?, wenn weitere Hirnfunktionen extern erledigt werden! Es ist, wie bei vielen Fortschritten der Technik, schwer abzusehen!
Einige Wissenschaftler warnen bereits davor, dass Menschen durch die Übertragung des Denkens auf automatisierte Chatbots die Fähigkeit zum eigenständigen artikulieren von Gedanken verlieren könnten. Für diejenigen, die diese Fähigkeiten erlernen und ausbilden wollen, sind Chatbots ganz offensichtlich ungeeignet.
Denn Denken wie Schreiben erlernt man nur dadurch, dass man denkt und schreibt, und keineswegs dadurch, dass man über Geschriebenes diskutiert. Fußball oder Saxophon zu spielen lernt man ja auch nicht, indem man darüber redet, Fern sieht oder Musik hört.
Zudem hat diese KI-Technik Konsequenzen auf Hausarbeiten und Prüfungen, die in Schulen, Universitäten und Büros ganz neu konzipiert werden müssen.
Aber auch ein weiterer Aspekt ist von Bedeutung: Kein ökologischer Fußabdruck wächst derzeit schneller als der des Digitalen.

Quelle: ChatGPT – Nur ein weiterer Trend oder eine Revolution? Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Uni Ulm; in Nervenheilkunde 2023; 42; 192-199
mehr noch auch über den Galileo-TV-Link

500 ml Leben – Blutspenden – Blut spenden!

Viele von uns gucken mehr oder weniger regelmäßig irgendwelche Krankenhausserien, in denen operiert wird. Blut steht dabei immer in großen Mengen zur Verfügung. Und wie sieht es in der Praxis aus?

Nicht immer wird bei Blut-Transfusionen das komplette Blut übertragen. Durch Zentrifugieren des Blutes wird das gespendete Blutspende in die einzelnen Bestandteile Blutplasma, Blutplättchen und Blutkörperchen aufgeteilt.

Wieviel Blut haben wir normalerweise?
– Bei Frauen sind es etwa 65 ml pro kg Körpergewicht, in der Schwangerschaft kann die Blutmenge um 1,5l zunehmen
– bei Männern 75 ml pro kg Körpergewicht
– bei Neugeborenen 100 ml pro kg Körpergewicht
– bei Kleinkindern 85 ml pro kg Körpergewicht
– bei Profisportlern 95 ml pro kg Körpergewicht

*2) (aus Nachrichten) Etwa 8 Millionen Deutsche sind Träger eines Gendefektes, bei dem sich zu viel Eisen im Blut befindet (Hämochromatose). Aussagefähig ist der überhöhte Eisenwert nur in Kombination mit dem Ferritin-Wert (= Eisenbestand im gesamten Körper).
Eisenüberladung lässt sich pragmatisch definieren. Es beschreibt den Zustand, wo überschüssiges Eisen sich in wichtigen Körperorganen ablagert. Das sind typischerweise die Leber, das Herz, aber auch viele Drüsen, wie zum Beispiel die Bauchspeicheldrüse. Und all diese Organe können langfristig in ihrer Funktion eingeschränkt werden durch diese Eisenüberladung.“ PD(Privatdozent) Dr. Karl-Anton Kreuzer von der Klinik I für Innere Medizin an der Uniklinik Köln; Quelle Deutschlandfunk-Archiv – und etliche andere Belastungen wie z.B. Beschwerden großer Gelenke – können auftreten.


Die meisten im Artikel verwendeten Werte stammen aus der oben angegebenen Antwort und dem Blutspende Podcast des DRK: https://www.blutspende.de/itsamatch/podcast

Uralte Verwandte beeinflussen Gesundheit heute

Mandatory Credit: Photo by De Agostini Picture Library/REX/Shutterstock (5165320a) Mummy of Thutmose IV. Detail. Egyptian civilisation, New Kingdom, Dynasty XVIII. Cairo, Egyptian Museum VARIOUS

Der diesjährige Nobelpreisträger in Medizin Prof. Dr. Svante Pääbo hat überzeugende Nachweise für die menschliche Evolutionsbiologie erbracht. Dem Paläogenetiker Pääbo vom Max-Plank-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzip gelang mit Hilfe der Molekulargenetik nicht nur die Aufklärung evolutionärer Verwandschaftsverhältnisse; er konnte damit zudem zeigen, dass dieses jahrtausende alte Erbe bis in die Neuzeit fortwirkt. Archaische Gensequenzen von längst ausgestorbenen Hominiden, wie den Neandertalern z.B., beeinflussen noch heute physiologische Prozesse und sind für heutige Erkrankungen von Bedeutung. Sie entscheiden z.B. mit, wie unser Immunsystem auf den COVID-19-Virus reagiert.

Nur ein Vierteljahrhundert liegt zwischen dem ersten Entdeckungshöhepunkt, Mumien-DNA sequenzieren zu können, und der Analyse von ausgestorbenen Hominiden und anderer Vorfahren. Problematik: deren Gensequenzen sind über die Zeit einerseits in kleine chemische Sequenzen zerfallen und andererseits mit Genfragmenten anderer Herkunft (z.B. Bakterien oder von heutigen menschlichen Zeitgenossen) kontaminiert und mussten isoliert aufgeschlüsselt werden. Diese Methodenverfeinerung nahm Jahre in Anspruch.
2010 markiert das Jahr der größten Durchbrüche. Seinerzeit gelang es zum einen, die längste Genomsequenz von Neandertalern zu veröffentlichen. Pääbo schätzte damals vorsichtig, es handele sich um 60 % des Neandertaler-Genoms. Ins gleichen Jahr fiel die Veröffentlichung über die Funde in der Denisova-Höhle in Sibirien. Dort wurde die gut erhaltene DNA aus Fingerknochen einer bisher unbekannten Hominiden-Familie entdeckt und damit zugleich überkommene evolutionäre Vorstellungen korrigiert: Während ein Teil der Experten die These favorisierte, der moderne Mensch habe sich von Afrika aus überall hin ausgebreitet, ging der andere davon aus, es habe unabhängig voneinander regional verschiedene Entwicklungsorte gegeben. Beides stimmt nicht, wie Pääbo darlegen konnte.

Der größte Genpool des modernen Menschen kommt tatsächlich aus Afrika, aber 1-3 % des Genoms aller Meschen au0erhalb der Subsahara stellen ein Neandertal-Erbe dar. Zusätzlich stammen 5 % des Genoms von der Denisova-Hominiden-Gruppe ab. Die Neandertaler speisten außerdem Genmaterial in die Denisova-Bevölkerung ein, die ihrerseits Input von einer noch unbekannten Hominiden-Familie erhielten, die sich vor mindestens 1 Million Jahre von der menschlichen Genlinie abspaltete. Zusammengefasst: „Fast alle sind mit allen verwandt.“
Im Abgleich von modernen Menschen verschiedener Kontinente lässt sich erkennen, dass sich die DNA-Sequenzen von Neandertalern und denen der heutigen Bevölkerung Europas und Asiens ähnlicher sind als derjenigen des afrikanischen Kontinents. Während der Homo sapiens zuerst von 300.000 Jahren in Afrika auftaucht, haben Neandertaler vor rund 400.000 Jahren vornehmlich Europa und den westlichen Teil Asiens besiedelt. Bis von 30.000 Jahren haben sie mit den modernen Menschen koexistiert, die vor rund 70.000 Jahren im mittleren Osten und danach in Europa auftauchten. Der Sex mit Neandertalern war dabei ziemlich einseitig, wie Pääbo aus Mitochondrien-DNA, die ausschließlich von Müttern vererbt wird, nachweisen konnte. Das Fehlen von m-DNA aus Neandertal-Herkunft lässt schlussfolgern, dass nur Neandertaler-Männer ihre Gene in den modernen Genpool einschleusten, sich also mit Frauen des Homo sapiens paarten.

Ein wesentlicher Treiber für den Einschluss von Neandertaler-Genen stellen RNA-Viren dar. Denn die Neandertal-Spuren im Genom des heutigen Menschen sind bevorzugt Segmente, die Proteine kodieren, die mit diesen Viren interagieren; z.B mit HIV- und Influenza-A-Viren besonders starke Reaktionen zeigen. Dabei ergeben sich einerseits stärkere Bedrohungen durch diese Viren, andererseits aber auch neue Gene, um der neuen Infektionen Herr zu werden.
Auch für COVID-19 konnten Pääbo und sein Kollege Zeberg zeigen, dass Wechselwirkungen vom Neandertaler-Erbe von vor 10 – 20.000 Jahren das Risiko schwerer Erkrankungen an COVID um 22 % verringern, aber eben auch, dass andere Gen-Cluster die Gefahr von Atemwegsversagen nach SARS-CoV-2-Infektion erhöhen. Auch für Pockenviren und den Erregern der Pest, die vor 7 – 10.000 Jahren auftraten, dürften solche Genvarianten eine Schutzwirkung entfaltet haben.

Quelle: Dr. med. Martina Lenzen-Schulte
Dt. Ärzteblatt, Jg. 119, Heft 41, 14.10.2022, S. A1752-1754

Welchem Zwecke dient die Zecke?

Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) – der Name kommt von der
Ähnlichkeit mit Rizinus-Samen

Zunächst eigentlich keinem. Ein paar Vögel verspeisen sie als zusätzlichen Happen. Der Madenhacker in Ostafrika ernährt sich von Zecken, vor allem aber warnt er die Büffel vor sich nähernden Jägern. Meine Überschrift ist zugleich der Titel eines 95 Seiten starken, launig geschriebenen Buches der Ärztin Dr. med. Petra Sommer. Ich habe es gekauft, weil ich sehr stark von Zecken befallen werde. In diesem Jahr waren es schon etwa 25. Ich lasse mich auch gegen FSME (Frühsommer-Meningo-Encephalitis*1)) impfen, weil die Zecken, die dieses Virus im Speichel tragen, unserer Region gefährlich nahe kommen – siehe Bilder.

Deutschlandweit verzeichnete das RKI von 2002 – 2021 6642 Fälle von FSME
Süd-Osthessen ist betroffen sowie der
Kreis Marburg-Biedenkopf

Weltweit kennt man um die 900 Zeckenarten. Während in Deutschland früher nur der Gemeine Holzbock, eine Schildzecke, vorkam, haben Klimaerwärmung und Globalisierung die bei uns vorkommende Artenvielfalt erhöht, in diesem Fall nicht zu unserer Freude. Der Gemeine Holzbock lebt in allen Klimazonen außer der Arktis. *2)
Auwaldzecke: Vor allem für Hunde gefährlich, Hundemalaria
Igelzecke: Sie lebt in Igelbauten, befällt viele Kleintiere der Wildnis; FSME und Borreliose
Schafszecke: Viele Fiebererkrankungen; besonders gefährdet sind Hunde, Schafe und Rinder
Taubenzecke; Vorsicht Taubenhalter! Für Menschen bisher nur allergische Reaktionen nachgewiesen, aber bis zum anaphyllaktischen Schock*3); kann 11 Jahre fasten.
Hyalomma-Zecke: Früher nur in Südeuropa, Wüstengebiete Afrikas und Asiens, Krim-Kongo-Fieber, Fleckfieber; Diese Zecke verfolgt ihre Opfer auf bis zu 100m Distanz. Erste Vorkommen in Deutschland 2018 nachgewiesen. Eine der wenigen Arten mit Augen. Sie legt etwa 20000 Eier.
Braune Hundezecke: Kommt bisher nur in Südeuropa vor, Es besteht aber die Gefahr, dass sie sich durch obdachlose Hunde, die nach Deutschland gerettet werden, auch hier ansiedelt. Sehr aktiv, in Tierheimen und Wohnungen mit Hunden.

Einige Krankheiten wurden bereits oben genannt. Der Gemeine Holzbock überträgt FSME und Borreliose, von der es verschiedene Arten gibt. 80.000 bis 120.000 Menschen erkranken in Deutschland pro Jahr an der Lyme-Borreliose. 12 bis 24 Stunden nach dem Stich (das Bakterium lebt im Darm der Zecke), aber nur in der Hälfte der Fälle kann die so genannte Wanderröte auftreten. Wer sicher gehen will, lässt sich in jedem Fall ein Antibiotikum spritzen, denn der Verursacher ist ein Bakterium (Borrelia burgdorferi).
Die zweite Krankheit, wird durch das FSME-Virus übertragen, das der Gemeine Holzbock im Speichel trägt. Dadurch gelangen die Viren sofort in die Wunde. Gegen Viren hilft nur Impfung, keine Antibiotika. Die Impfung erfolgt in drei Schritten. Erstimpfung, zweite nach vier Wochen, dritte sechs bis neun Monate später.
Ich lasse mich deshalb impfen, weil die Zecken mich so gerne haben. Tödliche Ausgänge gibt es beim Europäischen Holzbock in 1-2% des Befalls durch Virusträger-Zecken. Weitere Krankheitsfolgen können sehr gravierend sein. Es beginnt binnen 10 Tagen mit Grippesymptomen. Nach scheinbarer Besserung kann einen Monat später das Fieber auf 40°C ansteigen und in 10 – 30% der Fälle zu Hirnschäden führen. Langzeitschäden sind immer wieder auftretendes Fieber, Schwindel, diverse Lähmungen, Sprech-, Schluck- und Atembeschwerden *4).

Wann sind Zecken aktiv? Zecken werden aktiv, sobald es an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen 7 Grad Celsius warm oder wärmer ist. Die „Zecken-Hauptsaison“ beginnt in Deutschland normalerweise im Frühjahr und endet im Spätherbst. In milden Wintern beginnt die Zeckensaison aber bereits im Januar und kann bis Dezember andauern. Das bedeutet, dass der Name Frühsommer-ME mittlerweile irreführend ist.
Inzwischen geht man davon aus, dass Zecken in etwa 70% aller Gärten zu finden sind, auch in gepflegten.

Jede Menge Holzbock-Weibchen (roter Panzer)

Was tun bei Zeckenbefall: So früh wie möglich entfernen. Dafür gibt es verschiedene Hilfsmittel in der Apotheke:
-die Zeckenzange
-die Zeckenkarte
-das Zeckenlasso
-zwischen zwei Fingernägeln
Was Sie nehmen, hängt von Ihrer Vorliebe ab. Wichtig: Nicht quetschen! Nach der Entfernung Wunde mit 40%igem Alkohol oder jodhaltiger Salbe desinfizieren.

Vorsorge gegen Zecken

Zecke entsorgen – was hilft? Auf fester Unterlage mit hartem Gegenstand zerquetschen oder ins Feuer werfen.

Was hilft nicht, um die Zecke zu töten? In die Kanalisation spülen – das überleben die Tiere bis zu drei Wochen; in der Kochwäsche mit Schleudern überleben 100% der Zecken, ebenso im Eis bis -13°C bis 24 Stunden.

*) Meningon= weiche Hirnaußenhaut, Encephalon=Teile im Gehirn.
*2) Zecken.de
*3) gleichzeitiges Zusammenbrechen mehrerer Organsysteme, bei 1-3 Menschen pro 1 Million jährlich mit Todesfolge
*4) zecken.de/de/was-ist-fsme

Fotos und Repros: Pfizer.Zecken.de und .rki.de

Die Inhalte stammen aus dem Buch von Dr. med. Petra Sommer: “Welchem Zwecke dient die Zecke?”, Quelle & Meyer-Verlag Wiebelsheim, Preis 9,95€

Realität – eine Frage der Perspektive

Gastbeitrag von Dr. Lothar Drese

Die subjektive Konstruktion der Realität

Sitzen Sie gerade in Ruhe? Sind Sie sicher?
Ich behaupte, Sie rotieren gerade mit 1.670 km/h in einer Distanz von 6.300km um ein Zentrum.

Warum erleben Sie das anders?
Es dürfte zunächst merkwürdig erscheinen, aber die mit Ihnen verbundene Erdrotation haben Sie wahrscheinlich schnell entlarvt.
Gleichzeitig schweben Sie übrigens mit 108.000km/h in einer Distanz von 147 Mio. km um ein anderes Zentrum.

Diese vom vermeintlich ruhigen Sitzen abweichende Wahrnehmung hat man jedoch nur aus einem anderen Blickwinkel,
in diesem Fall liegt der fiktive, gedachte Betrachter außerhalb unseres Sonnensystems.

Anderes Bild: Eine Kamerasonde in Ihrer Blutbahn würde indes aufzeichnen, dass Sie ganz und gar nicht in Ruhe sitzen, sondern sie würde ein jede Sekunde zuckendes Etwas zeigen, selber in einem mit 4 km/h durch den gesamten Körper strömenden Fluss treiben und ständige Zusammenstöße mit merkwürdig aussehenden Gebilden verzeichnen.

Anderes Szenario: Auf einer rotierenden Schallplatte sitzt eine Mini-Version A von Ihnen. Mini-Version B liegt auf dem Tonabnehmer und eine weitere Version C hat es sich auf dem Dorn gemütlich gemacht und schaut an die Decke… welche Realitäten existieren in diesem Gefüge?

A erlebt eine sich um ihn drehende Umgebung und
B erfährt eine unter sich translatierende *) Welt, also einen Ortswechsel ohne Richtungsänderung.
Rein gar nichts passiert in der Realität von C.
Als Außenstehender sehen Sie einfach nur einen rotierenden Plattenteller, auf dem eben eine Mini-Version von Ihnen sitzt und sich mitdreht. Die erlebten Realitäten der anderen Versionen bleiben für Sie unentdeckt.

*) translatierend = sich verschieben, einen Ortswechsel ohne Veränderung der Form oder Richtung durchführen

Welche davon ist nun die wirkliche Realität?

Knobelfragen: Ist das vor Ihnen liegende weiterhin farbig, wenn Sie sich umdrehen?
Macht ein umfallender Baum im Wald ein Geräusch, wenn Sie nicht dort sind?

Was ist überhaupt Realität?
Die Physik erklärt dies mit der Wahl des Bezugssystems. Sie können sich also aussuchen, in welchem Bezug Sie Ereignisse betrachten und beschreiben.
Es gibt definitiv mehrere Möglichkeiten, das eine Bezugssystem existiert nicht und die eine Realität auch nicht.

Das, was für Sie gerade passiert, passiert anderen nicht. Es ist Ihre ganz persönliche Realität, nicht deren.
Sofern es keine Auswirkungen auf andere hat, werden sie nie von Ihrer Realität erfahren.
Realität ist nicht alles, was auf der Welt zu einem Zeitpunkt passiert.
Für jeden persönlich ist bedeutsam, was in der eigenen Wirklichkeit wirklich wirkt.
Das aber ist für jeden etwas anderes, abhängig von Vorerfahrungen, Erwartungen, Standpunkt, Perspektive, Fokus, Messverfahren, Bedeutungsgebung und prognostizierten Auswirkungen.

Jeder Mensch erlebt also seine eigene Realität.

Es ist alles eine Frage der Perspektive des Beobachters.

Besonders nachvollziehbar beantwortet der Physiker Erwin Schrödinger 1935 die Frage nach der Realität mit dem berühmten Gedankenexperiment „Schrödingers Katze“:
In einer verschlossenen Kiste sitzt eine Katze mit einem Giftköder. Ob die Katze den Köder gefressen hat und verstorben ist, wissen Sie nicht. Sie können sich erst sicher sein, wenn Sie nachschauen. Sie müssen die Realität also erleben! Solange Sie die Kiste nicht öffnen, erleben Sie eine Realität, in der die Katze gleichzeitig tot und lebendig ist. Sie werden die Realität in der Kiste niemals erfahren, solange sie verschlossen bleibt.

In welcher Form Sie nun Ihre eigene Realität wahrnehmen, wie Sie sie bewerten, hängt wiederum von Ihrer Auswahl des Bezugssystems ab.
Es ist Ihre Interpretationssache – also Ihre Wahrnehmung bzw. Ihre aktive Wahrgebung, da kein passiver Prozess!
Sie nehmen Ihr geführtes Leben als eine ständige Interpretation des Erlebten wahr, aufgrund von Erfahrungen und Wissen – es ist Ihre subjektive Sichtweise. Sie haben die Wahl, Erlebtes unterschiedlich zu betrachten und zu bewerten.

Oft geht es Menschen schlecht wegen der Interpretation ihrer Wahrnehmung, also ihren Gedanken und nicht wegen dem, was wirklich gerade passiert.
Ereignisse sind einfach Ereignisse und als solche wertfrei. Deren Bedeutung fügen wir aktiv hinzu. Interpretationssache eben.

Oft sind Menschen unzufrieden mit der „Realität“ bzw. dem, was sie betrachten und dessen Bewertung, sehen aber viele andere (positiven) Dinge derselben Realität nicht… nur weil sie ihre Aufmerksamkeit nicht darauf richten!

Oft haben Menschen in der Gegenwart Angst und Sorgen vor der Zukunft, also vor einer Zeit, die gar nicht existiert!
Und diese Zeit, die sie sich mit Ängsten und Sorgen kreiert haben, die ihnen die Gegenwart verdirbt, wird vielleicht niemals passieren.
Diese Sorgen und Ängste haben nichts mit dem tatsächlichen Jetzt zu tun. Das Jetzt passiert jetzt… und alle Probleme des Jetzt haben auch ihr Gutes, Sie müssen nur mal aus einer anderen Perspektive darauf sehen…

Fragen Sie sich: wozu mache ich das gerade? Wie stelle ich meinen Zustand jetzt gerade her? Welche Auswirkungen hat mein Tun? Für wen mache ich das? Woher könnte der Impuls zu meinem Erleben kommen? Welches Bedürfnis könnte dahinterstecken – bewusst oder auch unbewusst?

Fotos: Drese


Kommentar:

Hallo, Herr Drese,

obwohl ich Schrödingers Katze schon lange kenne, kam mir eben der Gedanke, dass das Gleichnis einen Denkfehler enthält. Es zielt nämlich lediglich auf die Sinneswahrnehmung “Sehen” ab. 
Ich könnte nämlich auch die Sinneswahrnehmung “Tasten” hinzu nehmen. Dann würde ich Bewegungen fühlen oder Wärme – oder das Gegenteil. Nehme ich die Sinneswahrnehmung “Riechen” hinzu, so muss ich nur ein paar Tage warten und würde eine tote Katze riechen. Selbst mit dem “Hören” käme ich weiter. Nur das “Schmecken”  will ich hier mal außer Acht lassen.

Eine gute Woche und herzliche Grüße,
Eveline Renell

Antwort:

Liebe Frau Renell, 

vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Das „Nachsehen“ beschränkt sich jedoch nicht nur auf „Sehen“, sondern bezieht sich auf das grundsätzliche Öffnen der Kiste, um „Wahrzunehmen“, mit welchen Sinnen auch immer. 
Nehmen wir die Kiste als hermetisch und akustisch abgeriegelt, bleibt uns die dort herrschende Realität bei verschlossener Kiste für immer verborgen… 

Freundliche Grüße
Lothar Drese

Adipositas = Übergewicht

Stellte der griechische Philosoph Sokrates vor fast 2500 Jahren fest: “Wir müssen essen, um zu leben”, ist die Nahrungsaufnahme heutzutage ein zentraler Bestandteil des täglichen Lebens geworden (“Wir leben, um zu essen”).
Essgewohnheiten spielen eine entscheidende Rolle, wenn durch mangelnde Bewegung im Alltag eine eklatante Schieflage zwischen Nahungs-(Energie-)Aufnahme und körperlicher Aktivität (Energieverbrauch) entsteht.

Foto: Hessisches Ärzteblatt 10/2021, S. 543 – Dr. med. Katharina Böttger, Miriam Oster, Prof. Dr. med. Dr. oec.troph. Jürgen Stein

Aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass in Deutschland derzeit ca. 2/3 der Männer (67 %) und die Hälfte der Frauen (53 %) übergewichtig sind. (BMI > 25 kg/m²) Diese Thematik ist insofern bedeutsam, da man mit Fug und Recht in den vergangen wenigen Jahrzehnten in den westlichen Ländern von einer Epidemie an Fehlernährung sprechen kann und weil die Fettleibigkeit zahlreiche Risiken an Folgeerkrankungen für die Betroffenen beinhaltet.
Dennoch ist Adipositas in Deutschland formal nicht als Krankheit anerkannt.
Daraus ergeben sich Konsequenzen für das Therapieangebot und dessen Finanzierung durch die Kostenträger.

Grafik wikipedia

Auch die Waist-to-Hip-Ratio (WHR = Taillenumfang zu Hüftumfang) ist ein Unterscheidungsmerkmal:
Ein erhöhtes wird bei Frauen ab einem Bauchumfang von 88 cm, ein deutlich erhöhtes Risiko ab 98 cm festgestellt.
entsprechende Grenzwerte sind bei Männern 94 cm und 102 cm.

Grafik: BMI-Rechner

Bei den Ursachen spielen sowohl genetische Faktoren, mikrobielle Ursachen, z.B. der Darmbesiedelung mit nützlichen oder weniger wünschenswerten Keimen *) ein Rolle; vor allem aber Überernährung, Fehlernährung, Bewegungsmangel, gestörter Schlaf und psychosozialer Stress eine zentrale Rolle.

(* Keime = Mikroorganismen setzten sich aus den allgemein bekannten BakterienViren und Pilzen zusammen sowie aus Protozoen, Archaea und Mikroalgen.)

Während bei der Adipositas Grad I (BMI 30 – 34,9 kg/m²) mittels verschiedener Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltensstrategien recht erfolgreich behandelt werden kann, gibt es für die Adipositas Grad II und III nur zwei wissenschaftlich belege Therapieoptionen: geprüfte multimodale Gewichtsreduktionsprogramme *) über 6 – 12 Monate oder – im Fall unzureichenden Erfolges – die Adiopsitaschirurgie.

(* Grundsätzlich stehen 3 Interventionsebenen zum Abnehmen zur Verfügung:
1.) Erhöhung des Energieverbrauchs durch Steigerung der körperlichen Aktivität
Ausdauersport wie Schwimmen, Radfahren, zügiges Wandern (5 – 7 km/h) wirken. Sport in der Gruppe wirkt gegen soziale Isolation; Gewichtsabnahme steigert das Selbstvertrauen, vermindert Depression und Angst. Ist Sport aufgrund des Gewichts kaum zu realisieren, wird zumindest die Steigerung der Alltagsbewegungen empfohlen.

Für effektive Gewichtsabnahme sind 150 Min. +/ Woche mit Energieverbrauch von 1.200-1.800 kcal/Woche empfohlen.
Regelmäßige körperliche Aktivität mit etwa 1/3 der körperlichen Leistungsfähigkeit ist am besten dazu geeignet.
2.) Verringerung der Energieaufnahme über die Nahrung

Reduktionskost mit einem Energiedefizit von 500 kcal/Tag ist anzustreben. Die Zusammensetzung der Nährstoffe (Fett, Kohlenhydrate, Eiweiß) ist für die Gewichtsabnahme unwesentlich. Wichtig sind Vorlieben und Praktikabilität.
Vorsticht: (Pflanzliche) Schlankheitskapseln sind in der Regel ohne Wirkungsnachweis und enthalten oft illegale Substanzen (wie z.B. Amphetamin) mit erheblichen Gesundheitsgefahren.
3.) Lebensstil- und Verhaltensveränderung, die vor allem in der Gewichtstabilisierungsphase wichtig ist)

Zu Zeiten, als die wenigen Menschen auf der Erde noch als Jäger und Sammler unterwegs waren, war die Nahrungsverwertung ein wichtiges Überlebensmerkmal: wer einen Überschuss an Energie in Fettzellen speichern konnte, konnte in Zeiten des Mangels davon zehren. Seit diesen Zeiten (erst vor ca. 12.000 Jahren begannen mit der neolitischen landwirtschaftlichen Revolution neuen Ernährungsgewohnheiten) hat sich die genetische Ausstattung des Menschen praktisch nicht verändert, so dass die starke Zunahme der Adipositas in den vergangenen Jahrzehnten das Ergebnis von veränderten Lebensumständen in den Wohlstandsgesellschaften ist.

Die Folgekrankheiten der Adipositas hängen vor allem vom Ausmaß der Fettleibigkeit, dem Fettverteilungsmuster und der Dauer ab.
Besonders häufig finden sich Stoffwechsel– und Herz-Kreislauf-Krankheiten, aber auch orthopädische, gastroenterologische und onkologische Erkrankungen: Karzinome des Dickdarms, der Brüste und der Gebärmutter, der Nieren und der Speiseröhre sowie ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz und neuro-psychiatrische Erkrankungen gehen damit einher.

Quelle: Hessisches Ärzteblatt 10/2021, S. 543 ff
Dr. med. Katharina Böttger, Miriam Oster, Prof. Dr. med. Dr. oec.troph. Jürgen Stein

Alles was bleibt…

Gastbeitrag von Dr. Lothar Drese, Wettenberg

Die Ur-Hoffnung ist tief in uns vergraben. Es ist keine akute Hoffnung, an die wir täglich denken, aber jeder hat sie in sich. Das ist auch gut so! Was wäre das für ein Leben, wenn wir sekündlich an all das Schlimme denken würden, was jederzeit passieren könnte?
Gleichzeitig ist aber auch absolut lebensnotwendig, dass diese Ur-Hoffnung überhaupt existiert.
Das Leben besteht aus einem kontinuierlichen Wechsel von Höhen und Tiefen… die Höhen genießen wir und die Tiefen meistern wir immer durch die Gewissheit der baldigen Besserung, während der selbstverständliche Alltag weiterläuft.

Doch was, wenn die Selbstverständlichkeit wegbricht?
Was, wenn wir ein schreckliches Unglück, eine Tragödie verarbeiten müssen?
Wie oft denken wir „Mir geschieht so etwas nicht!“ oder „Das würde ich niemals tun!“?
Aber das Leben ist unvorhersehbar und vor manchen Dingen ist niemand sicher.
Alles kann geschehen, auch Dinge, die man sich niemals hätte vorstellen können.
Und dann kann ein Tief des Lebens sehr ausgeprägt sein und vor allem auch ziemlich lang andauern.
Oben erwähnte Überwindung durch Gewissheit der baldigen Besserung meistern wir über kurze Zeiträume.
Vor allem betrifft dies zumeist Situationen, in denen wir steuernd agieren können.
Gravierende Schicksalsschläge versetzen unsere Seele jedoch zunächst in einen emotionalen Schockzustand, deren Rehabilitation zum einen über einen langen Zeitraum geschieht und dessen Ende zum anderen nicht absehbar ist. Hinzukommt, dass wir diese Gegebenheiten meist hinnehmen und aushalten müssen, ohne aktiv für Änderung sorgen zu können.

Unabhängig davon, was der Auslöser ist oder wie es dazu gekommen ist, muss ein einschneidendes Erlebnis verarbeitet werden. Hierzu führt Elisabeth Kübler-Ross fünf Phasen der Bewältigung auf
(die nicht immer und nicht immer in dieser Reihenfolge oder auch wiederholt wechselnd auftreten können):

Leugnen
Die Phase des Schocks! Emotionen brechen über einen herein, die man vorher in dieser Ausprägung nicht kannte. Alles erscheint wie in einem Nebel, in einer Trance… „Es kann nicht wahr sein!“

Zorn
Schuldige werden gesucht, da man sich nie allein verantwortlich fühlen möchte… „Wer hat mir das angetan?“… „Warum wird ausgerechnet mir das angetan?“

Verhandeln
Phase der Hilflosigkeit und Verzweiflung… vielleicht die schwierigste Zeit. Man fängt an, die Situation zu realisieren und möchte sie nun ändern. Das sich dann einstellende Gefühl bei seinen Versuchen der Steuerung keinen Einfluss zu haben, also das Gefühl der Ohnmacht, ist kaum zu ertragen… „Wie kann ich es wieder gut machen?“… „Wie komme ich hier heraus?“

Depression
Eingeständnis… „Ich kann es nicht abwenden.“… Man ergibt sich dem Zustand und beginnt auszuhalten. Häufig brechen in dieser Zeit depressive Phasen über Momente der Stärke hinein und erschüttern die innere Stabilität. Die Ur-Hoffnung wird nun auf ihre Robustheit überprüft und es kostet unglaublich viel Energie, diesen Verlauf zu überstehen.

Akzeptanz
Annahme der neuen Situation, eventuell die Einsicht, dass das Leben ab jetzt nicht mehr dasselbe ist wie vorher. Man entwickelt neuen Selbst- und Weltbezug und steht wieder auf… „Das Leben geht weiter“…

Die feste Überzeugung, dass sich auch in Phasen der tiefsten seelischen Betäubung alles zum Guten wenden wird… alles was bleiben muss… Hoffnung…

Physicusdiät – Kombination aus Mathematik und Humor

Gastbeitrag von Dr. Lothar Drese, Wettenberg

Eine Angelegenheit, mit der sich wahrscheinlich ein Großteil der Bevölkerung aus idealistischer Triebkraft heraus irgendwann einmal beschäftigt: Diät!

Keine andere Thematik ist seit Jahrzehnten daueraktuell und kann offensichtlich seit 1920 (Einführung Kleidergrößen/Aufkommen Filmindustrie Hollywoods) immer wieder neu erfunden werden.

Dabei sind die Maxime hinter jeder Strategie beständig, Bilanzsache: Wird mehr Energie zugeführt als benötigt, wird sie gespeichert. Wird weniger Energie zugeführt als benötigt, werden Reserven geopfert.

Oftmals wird der ominöse Jojo-Effekt als Grund des Scheiterns angeführt.
Häufig wird er schon vorab als Beweis für ein sinnloses Unterfangen ausgebeutet.
In Wahrheit ist einfach fehlender Willen der Kern des Übels.
Das Prinzip des Jojo-Effekts ist auch leicht entschlüsselt: Wird die Energiezufuhr nach Erreichen eines Ziels wieder dem Ursprungsniveau angepasst, wird natürlich auch wieder der Ursprungzustand der körperlichen Konstitution angestrebt.

Eine Diät sollte eine kurzfristige Aktion sein, danach muss sich eine dauerhafte Ernährungsumstellung anschließen.

Die global agierende Ökonomie hat die Defizite in der Aufklärung längst erkannt und erzielt mit ihren unterstützenden Maßnahmen jeglicher Art für die Konsumwilligen seit vielen Jahrzehnten vor allem monetäre Erfolge. Sicherlich führen temporär (vorübergehend) angeleitete Seminare und verschiedene Ernährungsratschläge auch zu dem gewünschten gewichtsreduzierenden Effekt beim Kunden. Permanente (beständige) Resultate verbleiben jedoch nur durch Einsicht und Beharrlichkeit

Das ruft die Konzeption eines absoluten Novums (etwas Neues, etwas noch nie Dagewesenes) auf den Plan: die Physicusdiät – eine mathematisch-logische, nahrungsunabhängige Gewichtsreduktionstaktik (nach physikalischen Gesetzmäßigkeiten genähert und gerundet):

Der menschliche Körper weist eine Kerntemperatur von 37 Grad Celsius auf. Die Aufrechterhaltung dieser ist eine absolute biologische Höchstleistung und kostet Energie – fortlaufende, endogen (von innen her) kontrollierte Redoxreaktionen steuern diesen Vorgang. Die Physikdiät macht sich dies zu Nutze.

1 Joule ist definiert als die Energie, die benötigt wird, um 1 g Wasser um 0,25 Kelvin zu erhöhen. Kelvin und Celsius sind im Skalenmaß identisch, also sind 4 Joule notwendig, um 1 g Wasser um 1 Celsius zu erhöhen…

Das Anheben der Temperatur von 1000 g Wasser um 1 Grad benötigt folglich 4.000 Joule und dessen Anhebung von 0 Grad auf 37 Grad somit 148.000 Joule.

Alltagsbezogener als Joule sind kcal: 148.000 Joule entsprechen 37 kcal (Kilo = 1000 x 1 Kalorie)

1 g Fettgewebe (10%-40% Wasseranteil) liefert bei seiner Verstoffwechselung durchschnittlich 7 kcal.
Die Energie aus 5 g Fettgewebe erhitzt demnach 1000 g Wasser um 37 Grad.

Eiswürfel sind das Kälteste, was ernährungsphysiologisch denkbar ist: ca. -18 Grad Celsius.
Um 1 kg Eiswürfel dieser Temperatur auf 37 Grad Celsius zu bringen, müsste der menschliche Körper demzufolge 7,5 g Fettgewebe verstoffwechseln. 133 kg Eiswürfel verbrennen demgemäß 1 kg Fettgewebe.

Der Übergang des kristallinen Wassers in den flüssigen Zustand beansprucht eine zusätzliche Schmelzenthalpie von
6 kJ/mol. 133 kg Wasser entsprechen 7.400 mol.
Das sind rechnerisch nochmals 44.000 kJ – in kcal 11.000, diese entsprechen dem Energiegehalt von 1,5 kg Fettgewebe. 133 kg Eiswürfel verbrennen also 2,5 kg Fettgewebe und 53 kg Eiswürfel 1 kg Fettgewebe.

Fazit: Wenn Sie 1,8 kg Eiswürfel pro Tag zu Ihren Mahlzeiten zerkauen, verbrennen Sie bei unveränderter Ernährung
1 kg Fettgewebe im Monat! Einfacher geht’s nicht.

Fotos: Dr. Lothar Drese

Kommentar der Redaktion:

Bitte nicht in die Tat umsetzen!

Diese mathematischen Überlegungen sind ein großer Rechenspaß; im Körper funktioniert das aber nicht so linear, wie es im Beitrag rechnerisch möglich erscheint. Im Organismus werden zunächst andere Energieträger verbraucht, bevor die Fettreserven abgeschmolzen werden. Zudem dürften erhebliche Bauchschmerzen dem Experiment bald ein Ende bereiten. … Auch der Versuch mit Speiseeis funktioniert nicht, da es Zucker, also neue energiereiche chemische Verbindungen, enthält.


Legalisierung von Cannabis – Gesundheitsrisiken

Bislang ist der Verkauf von Cannabisprodukten zu Genusszwecken in Deutschland verboten. Die neue Ampel-Regierung will die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken einführen.
Es gehe dabei um Verbraucherschutz, Regulierung des Schwarzmarktes, Verhinderung von verunreinigten Substanzen, Entstigmatisierung von Konsumenten, Entlastung von Polizei und Justiz sowie um bessere Prävention wie auch um zusätzliche Steuereinnahmen.
Neben dem legalen Konsum von Alkohol (etwa 74.000 Todesfälle jährlich allein durch Alkoholkonsum) sind die bislang nur illegal zu erwerbenden Cannabisprodukte die verbreitetste Droge in Deutschland. Dabei hat sich der THC-Gehalt (Tetrahydrocannabinol) in den Pflanzenanteilen durch gezielte Zucht (also durch Mutationen – ähnlich wie beim Corona-Virus wild oder gezielt bei der Impfstoffherstellung) seit 2010 (6,8 %) bis zum Jahr 2020 (20,4 %) erhöht.
Entsprechend sind die ambulanten wie stationären Cannabis-Suchtbehandlungen gestiegen.
Deshalb sehen Ärzte die Legalisierung der Droge kritisch: Der 125. Deutsche Ärztetag warnte Anfang November 2021 vor einer Verharmlosung der Droge und vor den Risiken für die Gesundheit der Konsumierenden sowie den Folgen für die medizinische Versorgung. Insbesondere vor den Langzeiteffekten des Cannabiskonsums für Kinder und Jugendliche.

Aus medizinischer Sicht, also vor allem als Mittel gegen chronische Schmerzen, ist eine Abgabe von Cannabis erst ab einem Alter von 25 Jahren sinnvoll, wenn die Ausreifung des Stirnlappens im Gehirn abgeschlossen ist. (siehe Nachricht: Interessante neue Beiträge auf unserer Wissensseite)
Denn Studien zeigen, dass bei intensivem Konsum von Cannabis die Hirnentwicklung beeinträchtigt wird.

Bei akutem Konsum kommt es zu Rauschzuständen mit deutlichen Einschränkungen der Aufmerksamkeit, Störungen der Bewusstseinslage, der kognitiven Fähigkeiten, wie auch der Psychomotorik. Ursächlich dafür ist die zunehmende Konzentration des psychoaktiven Hauptwirkstoffes THC in einer immer breiteren Produktvielfalt.
Mit dieser Droge im Blut erhöht sich selbstverständlich die Gefahr von Verkehrsunfällen, insbesondere für unter 25jährige Fahrer, die die Einschränkungen durch den Konsum nicht durch Fahrpraxis ausgleichen können.

Bei längerzeitigem Konsum kommen weitere Gesundheitsrisiken hinzu, insbesondere Atemwegserkrankungen, Hodenkrebs, hirnstrukturelle Veränderungen (=> unreif bleiben) sowie Auswirkungen auf die Entwicklung ungeborenen Lebens bei Konsum in der Schwangerschaft, sowie die Ausbildung von psychischen Störungen, von Angststörungen, Psychosen, Bipolaren Störungen (manisch-depressiv), Depressionen und Suizidgedanken.
Bei frühem Konsum vor dem 15. Lebensjahr werden geringere Bildungserfolge gesehen; und bei häufigem Konsum von Drogen allgemein werden in Studien höhere Schulabbruchraten, geringeres Einkommen, gehäufte Arbeitslosigkeit sowie Bezug von Sozialleistungen beschrieben.

Cannabisabhängigkeit ist eine Suchterkrankung. Nach Entzugsbehandlungen und bei anhaltender Abstinenz, so habe sich gezeigt, können Veränderungen am Gehirn reversibel (umkehrbar) sein.

Die Legalisierung von Cannabis, so wird von Suchtberatungsstellen erwartet, wird zu einem erhöhten Konsum und Missbrauch auch durch Kinder und Jugendliche führen. Jugendschutz ist hier eine Illusion, denn das Signal der Legalisierung und damit Verharmlosung der Drogen, wird – auch bei einer Altersbeschränkung im Verkauf – zu einem Durchreichen an Jüngere führen.
Bei US-Staaten lagen nach Legalisierung der Drogen die Konsumquoten um 30 bis 60 % höher. Auch in Kanada, Portugal oder Uruguay z.B. sei der Konsum nach der Legalisierung deutlich angestiegen. Zugleich ging die Risikowahrnehmung von Cannabis in diesen Staaten seit der Legalisierung deutlich zurück. Bei den 12 – 17jährigen liegt die Zahl der diagnostizierten Angststörungen, Psychosen und Depressionen um 25 % höher als in anderen Bundesstaaten der USA.
In den Niederlanden liegt der Konsum in der Altersgruppe der 15 – 34jährigen mit 15,5 % in etwa beim europäischen Mittelwert.
In einem anderen Ländervergleich gibt es Hinweise auf eine Zunahme cannabisbedingter Krankenhausaufnahmen nach Legalisierung, cannabisbeeinflusster Selbstmorde und tödlicher Verkehrsunfälle.

Nur begrenzt sei über die Legalisierung der Schwarzmarkt zu regulieren; der wird neue kreative Absatzwege und neue Drogen finden.
Das Gesetz zur Cannabislegalisierung will die neue Bundesregierung nach 4 Jahren “auf gesellschaftliche Auswirkungen” evaluieren (sach- und fachgerecht beurteilen). Man darf darauf gespannt sein.

Cannabis-Freigabe in den Niederlanden: Vorläufige Auswertung Niederländische Drogenpolitik

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 118, Heft 49, 10.12.2021, S.2326-2328